Home-Entertainment
8. Mai 2010 | Veröffentlicht von in InfrastrukturDa ich in letzter Zeit immer wieder danach gefragt wurde, habe ich mir überlegt, hier mal einiges zum Thema “Home-Entertainment” zusammen zu schreiben, vielleicht kann ich ja dadurch dem ein oder anderen weiterhelfen.
Da das Thema durch die Vielzahl an verschiedenen Geräten mit ganz unterschiedlichen Funktionen ziemlich komplex ist, sollte man bei der Überlegung wirklich ganz am Anfang beginnen, um sich nicht von vornherein in den Möglichkeiten zu beschränken.
Im Home-Entertainment geht es primär um die Wiedergabe von Medien. Daher muss man sich am Anfang einige Fragen zu den Anforderungen stellen.
- Welche Medien sollen wiedergegeben werden (TV, Fotos, Videos, Musik, …)?
- Welche Formate haben die Medien (Dateityp, Codec, …)?
- Was ist die Medienquelle (CD, DVD, Blu-ray, Dateien auf der Festplatte, Internet, …)?
- Was ist die Ausgabequelle der Medien (TV, PC, Laptop, …)?
Und hier beginnt es auch schon komplex zu werden. Jeder hat ganz andere Anforderungen. Um allgemein bleiben zu können, versuche ich, die Anforderungen zu kategorisieren. Für jede Kategorie schlage ich mögliche Lösungen vor.
TV
Bei TV kommen zwei Anwendungsszenarien zum Einsatz. Diese sind Live-TV und Aufnahme einer Sendung. Time-Shifting ist eine Mischung aus Beidem, gehört aber streng genommen schon zur Aufnahme.
Im einfachsten Fall hat man nur einen Fernseher mit einem eingebauten Tuner, welcher das in der Wohnung vorhandene Eingangssignal direkt verarbeiten kann.
Momentan werden hauptsächlich die folgenden Eingangssignale verwendet.
- Kabel analog (PAL)
- Kabel digital (DVB-C)
- Satellit (DVB-S(2))
- Antenne (DVB-T)
- IPTV (z.B. T-Home Entertain)
Unterstützt der Fernseher das Eingangssignal nicht direkt, wird ein externer Tuner (Receiver/Set-Top-Box) benötigt.
Für Computer/Laptops wird eine interne bzw. externe Fernsehkarte/-stick benötigt.
Im Normalfall wird für jedes Gerät, das TV-Signale wiedergibt oder aufnimmt, sowie für jeden eingestellten Sender ein eigener Tuner benötigt. Ausnahmen bilden Techniken, bei denen sich mehrere Sender einen Kanal (Frequenz) teilen, wie z.B. bei DVB-T (4). Das bedeutet, will man sich ein Programm anschauen und ein anderes aufzeichnen, benötigt man zwei Tuner (Dual-Tuner), ausser die Sender teilen sich einen Transponder (Kanal). Bei DVB-S benötigt man für jeden Receiver üblicherweise dann auch noch einen eigenen LNB bzw. Mehrfach-LNBs.
Steigt die Anzahl der TV-Geräte, die keinen geeigneten Tuner besitzen, kann man einen zentralen TV-Server (z.B. PC mit VDR und streamdev-Plugin) aufstellen, welcher das TV-Signal dann über das Netzwerk streamt und gleichzeitig als zentraler TV-Recorder dient. An den Fernsehgeräten benötigt man dann für Live-TV anstatt eines Receivers mit Tuner einen geeigneten TV-Client (z.B. PC mit VDR). Die Konfiguration dieser Architektur ist ziemlich kompliziert, bietet aber in größeren Umgebungen einige Vorteile. Möchte man nur Aufnehmen und die Aufnahmen zu einem anderen Zeitpunkt anschauen, gilt das Gleiche wie für Videos (siehe unten).
Videos/Musik/Fotos
Bei diesem Punkt handelt es sich um jegliche Art von Mediendateien. Diese können auf einem zentralen PC oder NAS, aber auch auf einer externen Festplatte oder einem USB-Stick liegen. Möchte man diese Dateien nun auch auf einen TV wiedergeben können, benötigt man ein Device, welches alle Formate abspielen kann. Soll das Ganze der Einfachheit halber über das Netzwerk geschehen, sollte man darauf achten, dass das Gerät DLNA (UPnP) zertifiziert ist. Empfehlen kann ich hier unter anderem die Sony PlayStation 3 oder die WD TV Live. Beide Geräte unterstützen Full HD (1080p).
Internet
Videos, Musik oder Fotos können sich auch im Internet finden. Bekannteste Beispiele für den jeweiligen Medientyp sind YouTube, diverse Internet Radiosender und Flickr. Möchte man auch diese Dienste nutzen, muss man prüfen, ob das Gerät diese unterstützt. Die WD TV Live unterstützt YouTube, Pandora internet radio und Flickr.
DVD/Blu-ray/Audio-CD
Möchte man nun auch noch DVDs und/oder Blu-rays wiedergeben, benötigt man einen entsprechenden Player. Dies kann ein Standalone Player, eine Sony PlayStation 3 oder alternativ auch ein HTPC sein. Bei letzterem könnte es aber evtl. Probleme mit der Blu-ray Unterstützung geben.
Fazit
Momentan würde ich folgende Kombinationen bei Nutzung von Blu-ray und DLNA favorisieren (persönliche Meinung).
Als Client:
- Sony PlayStation 3
- Standalone Blu-ray Player und WD TV Live (falls der Blu-ray Player kein DLNA kann)
Als Server dient ein PC, Laptop oder ein NAS-Gerät, wie z.B. die Synology Disk Station DS210j.
Als Fernseher hat man im Idealfall ein Full HD Modell mit ausreichend HDMI Steckplätzen zur Verfügung, sowie mindestens ein 5.1 Soundsystem.
Für den TV Empfang besitzt der Fernseher entweder schon einen geeigneten Tuner, oder man erweitert diesen um einen entsprechenden Receiver, ggfs. mit Recordingfunktion (Festplatte). Alternativ kann man das TV Programm auch mit einem PC aufzeichnen, aber hierfür benötigt man wiederum eine Fernsehkarte/-stick.
Möchte man mehr machen als nur DLNA, muss man sich einen HTPC neben den Fernseher stellen. Hier kann ich das Projekt XBMC sehr empfehlen, geeignete Hardware hierfür wäre z.B. die Asus Eee Box PC EB1501.
Vor kurzem ist auch ein Gerät von Zotac aufgetaucht, die Zotac ZBOX HD-ID11. Aber darüber hab ich noch nicht genug gelesen. Dieses könnte aber auch sehr interessant sein.
Details zum XBMC gibt es auch in dem Artikel “HTPC mit XBMC“.
Über dieses Thema könnte man ein ganzes Buch schreiben, ich wollte hier jedoch erstmal einen kleinen Überblick zum Einstieg geben. Sollte ich etwas vergessen haben oder sollten Fragen aufkommen, gehe ich darauf gerne noch genauer ein.
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Genau das Thema, was mich momentan beschäftigt.
Und wie immer ein sehr interessanter Beitrag von Dir!
Viele Grüße
Mirko